Kontaktanzeige

kontaktanzeige

Information: Karton unter Folie, handschriftlich beschrieben in den Farben weiß und schwarz. In einem alten Plakatrahmen aufgeklebt mit schwarzem Klebeband.

 

Zitat:

DU (m, dunkle Haare, Sporttasche)

hast mich (m, blond, schwarze Mütze)

angegrinst, als ich mit einer Freundin

auf der Limmer Höhe (Tedi)

saß (Mittwoch 10. Oktober 20:00/21:00 Uhr)

Würde dich gern nochmal sehen…

Email:…

 

Kommentar: Kontaktanzeigen im öffentlichen Raum haben grundsätzlich etwas leicht Verzweifeltes an sich, selbst wenn sie so unbeschwert daherkommen wie diese hier. Der Kontaktanzeige müssen nämlich reifliche Überlegungen vorausgegangen sein, wie z.B.: galt das Lächeln mir? Habe ich gerade etwas Dummes gemacht oder war dies einer dieser verschwörerischen Momente, bei denen man spürt, mit seinem Gegenüber auf einer Wellenlänge zu sein?

Was dabei gedanklich alles ablaufen kann, lässt sich in etwa so beschreiben, wie die kleine Geschichte von dem Hammer des Herrn Watzlawick. Da beschließt ein Mann ein Bild aufzuhängen, und weil er keinen Hammer hat, will er sich diesen von seinem Nachbarn leihen. Ende vom Lied ist, dass er zum Nachbarn geht und diesem an den Kopf wirft, den Scheiß-Hammer gar nicht zu wollen. Wer meine assoziative Verzweiflung spürt, kann vielleicht nachvollziehen, weshalb ich von der Idee, Kontaktanzeigen in den öffentlichen Raum zu kleben, eher nicht so begeistert bin. Aber vielleicht liege ich ja auch so richtig falsch, wer weiß…

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4 Gedanken zu “Kontaktanzeige

  1. Schöner Fund! Das Plakat ist interessant gestaltet. Hier hat sich einer Mühe gemacht. Spontan vermittelt es jedoch den Eindruck eines eitlen, selbstverliebten jungen Mannes, der nichts auslassen will. Die übertriebenen Oberlängen würden mir Angst vor dem Charakter dahinter machen. „Angegrinst“ ist reichlich uncharmant. Ginge nicht wenigtens „angelächelt?“

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  2. Max Pulver (Symbolik der Handschrift, Kindler Taschenbuch, 1973?, S.83) dazu:
    „Überragende Oberlängen sprechen also für intellektuelle Interessiertheit.
    In der überragenden intellektuellen Aktivität ist häufig eine Bildungsfolge zu erblicken, die Problematik dieser auszeichnenden Eigenschaft ist graphisch sehr deutlich mitgegeben. Hier haben die Bäume die Neigung in den Himmel zu wachsen, entbehren aber genügend gründlicher Wurzelbildung.
    Nach Maßgabe des übersteigerten Ausschlags nach oben verkümmert der Realitätssinn, die praktische Verhaftung mit dem Boden, eventuell auch die Sexualsphäre…“

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      1. Wahrscheinlich. Mir ging es eher um die skurrile Kerbe, die ihr beide geschlagen habt (deine bedeutungsschwangere „Angst vor dem Charakter dahinter“ und der sehr konkreten Aussage Pulvers, dass der Realitätssinn verkümmere).

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