Verjagt

Dies Schuljahr treibe ich mich an zwei Grundschulen gleichzeitig herum. Bis auf die Montage und Freitage heißt das, ich fahre während der Pausen von einer zur anderen Schule. Manchmal auch montags von einer zur anderen, weil natürlich der Konferenztag der einen Schule am Montag ist und ich diese Schule am Montag sonst nicht besuche. Die Grundschulen liegen nur 10 Minuten Fahrweg auseinander, erschwert und verlängert durch ein paar Vollsperrungen.

Die Schulen sind sich nicht so ähnlich. Während die eine ein eher städtisches Milieu anzieht und anstrengende Eltern hat, ist die andere sehr ländlich geprägt mit der entsprechend weniger besorgten Elternschaft. Das zeigt sich auch bei der Lektüre, die ich im Unterricht gerade lese. Beschwerden bezüglich der Brutalität der Texte gab es nur aus der städtischen Schule. Dabei lese ich doch nur „Der Zauberer der Smaragdenstadt“. Ich gebe zu, die Stelle, als der Menschenfresser geköpft wird, ist schon ein wenig brutal, aber erinnern möchte ich hier nur einmal kurz an die Grimmmärchen, bei denen Hexen in Öfen verbrannt werden, Wölfen die Bäuche aufgeschnitten werden und Frösche an der Wand zerschellen.

Ich habe auf die Mail der Elternvertreterin natürlich vorbildlich reagiert und angemerkt, dass ich solche Stellen in Zukunft vermeiden werde vorzulesen. Und just ein Kapitel weiter war es dann soweit. Eine Wildkatze wird enthauptet, was der Königin aller Feldmäuse das Leben rettet. Noch im Leseprozess begriffen, denn ich hatte mich gar nicht richtig vorbereitet, änderte ich den Text ab und ließ die Wildkatze nur verjagt werden, was zwar noch weitere spontane Textänderungen im Lesefluss evozierte, aber letztlich komplett gelang. Dumm nur, dass ich gerade an der falschen Schule war.

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Na Welosipedje na Ulize

Wir haben diese Woche Fahrradprüfung an der Grundschule. Es ist ein Jammer. Gestern war ich der besseren Aufsicht wegen doppelt gesteckt, denn der eigentliche Akteur war der Polizist hier vor Ort. Als ich in seiner zweiten Stunde dazustieß, war die Luft im Raum so schlecht, dass ich am liebsten gleich wieder hinausgegangen wäre. Ich öffnete dann erstmal die Fenster, was die Kinder leider nicht vom Desinteresse und Gähnen abhielt. Polizisten sind eben keine Lehrer.

Als ich in meiner zweiten Stunde dann endlich Deutsch machen durfte, war die Luft vollends raus, deshalb hatte ich mich heute noch einmal bei meinen Kindern beschwert, wie Scheiße das gestern gelaufen wäre und dass ja ihr Leben davon abhinge undsoweiter. War natürlich wieder die letzte Stunde und verpuffte wohl genauso. Als ich einer Schülerin, die plötzlich lauthals gähnte einen Einlauf verpassen wollte, was von Respekt faselte, verschwand sie kurzerhand unter dem Tisch, um ihren verlorengegangenen Bleistift zu suchen. Ich redete mit ihrem Rücken. Als sie wieder auftauchte, war ihr nicht bewusst, worin ihre Fehler bestanden. Ich hätte es auch beinahe vergessen, weil ich mich an mich erinnerte, als ich 10 war, atmete tief durch und verbuchte die Aktion unter „Misslungen“.

In der Parallelklasse hatte ich dann den gleichen Polizisten beim Üben des Linksabbiegens mit dabei. Wir übten auf einer verkehrsberuhigten Straße in einem Wohngebiet. Ich war größtenteils Staffage bzw. dafür gut, die Kinder anzuschnauzen, wenn es nicht lief, denn ich kannte die Namen aller Beteiligten. Weil sich zwei dermaßen stritten und ständig ihre Räder aneinander stießen, musste ich sogar einschreiten und eine Schülerin so sehr zusammenstauchen, dass sie danach nicht einmal ihr Rad ohne meine Einwilligung bewegen durfte. Es tat mir auch leid, vor allem ihr bedröppelter Gesichtsausdruck dazu rührte mich, aber es ging einfach nicht anders.

Wegen der beiden Ukrainer weiß ich jetzt, dass Ruka Hand bedeutet. Den Rest habe ich radebrechend auf Russisch erklärt, so dass sie aus der Beobachtung, was ihre Mitschüler tun, mitbekamen, was ich von ihnen wollte. Davay, davay mit spraakvansmaak.

Und noch etwas habe ich gelernt: Die meisten haben zwar gemacht, was sie sollten, weil sie es so gesagt bekommen haben, den Zweck hatten aber die wenigsten verstanden. Bis dann plötzlich Bewegung in die Sache kam und Verkehr auf die Straße rollte, der nicht aus meiner Klasse war. Man konnte die Synapsen singen hören, als da hinter den Kindern auf einmal ein Auto wartete und geduldig jede Schlappe, jedes halbherzige Umsehen, Armheben, Schlenkern und Spurwechseln mit monotonem Brummen des Motors quittierte. Kinder, die erst die Autos vorbei lassen wollten, wies ich an, sich vorher einzuordnen. Fast alle erwischten über kurz oder lang ein Auto hinter sich. Nervosität, Respekt vor dem brummenden Ding stellte sich ein, was sich der Polizist längst gewünscht hatte und ich mit all meiner Überzeugungskraft nicht in die Hirne einiger Kinder verpflanzen konnte. Ein guter Tag.

Vergleiche

Diese Woche gab es wieder neue Kinder in der Schule. Ich habe auch eine abbekommen. Tatsächlich war es anfangs gar nicht klar, woher, Ukraine wäre ja naheliegend, wusste aber keiner. Saß dann da in meiner Chaosklasse und wunderte sich über meinen lockeren Umgang mit einigen Kindern, die ich wahlweise anschnauzte, weil sie dazwischenriefen oder mit ihnen Witze riss. Ich entschied, dass sie das hellste Köpfchen in der Klasse ist, sympathisch obendrein und so lieb und artig, dass sie bei dem ganzen Hin und Her sich so ihre Gedanken gemacht haben muss.

Später berichtete mir dann die Klassenlehrerin, dass sie nur umgezogen sei und aus der Nähe käme. Sie hätte Förderbedarf Schwerpunkt Lernen und sei wohl nicht so helle. Sie prüfte das natürlich gleich ab in ihren Kernfächern Deutsch und Mathe (ich unterrichte in der Klasse ja nur Sachunterricht) und stellte fest, dass ich Recht hatte. Wir haben entschieden, auf den letzten Metern kein Fass mehr aufzumachen, wer will denn schon kurz vor den Ferien noch Förderpläne für 14 Kinder schreiben müssen. Und um den einen abzuerkennen, reicht die Zeit nicht.

Apropos kurz vor den Ferien: der Film hat mal wieder Überlänge und die kurze Pause zwischendurch reichte nicht einmal fürs Kippchen. Dafür hatte ich vergessen, meinen Wecker umzuprogrammieren und weckte mich zweimal! um halb sechs, obwohl ich gar nicht aufstehen musste. Allen möglichen Scheiß gibt es, aber eine Aussetzfunktion für Feier- und Ferientage am Wecker des Smartphones gibt es nicht, obwohl mein Smartphone doch sogar ständig wissen will, wo ich gerade bin. Die Standortübermittlung habe ich allerdings ausgestellt, den einzigen Nutzen davon, das Navi bei Google, benutze ich nicht, ich fahre nach Gefühl.

In meiner dritten Klasse im Sachunterricht ist jetzt das Thema Brandschutz dran. Ich werde die Kinder erstmal auf Safari schicken und die Feuermelder und –löscher im Gebäude zählen lassen, Interviews mit zufällig aufgegriffenen Mitschülern aus anderen Klassen durchführen, um zu evaluieren, wie es um die Kenntnisse im Brandschutz gestellt ist. Es soll ja Sommer werden und recht heiß. Am Ende machen wir noch ein paar Experimente mit Feuer. Kokeln bei Herrn spraakvansmaak.

Und dann mache ich in Erich Kästner. Fast hätte ich mir den Spaß verdorben mit einer überbordenden Stationenarbeit, bei der ich mal wieder nicht bedacht hatte, dass diese Kinder einfach sehr langsam sind (echt jetzt, spraakvansmaak? nach fast einem Jahr??!?). Wir haben noch nicht mal das Vorwort gelesen. Egal. Ab morgen geht’s los.

Mehr Duden

Redundanz ist eine Seuche. Sie schleicht sich überall ein und setzt sich fest, so auch in unsere Sprache. Ein mir heute untergekommenes Beispiel dafür ist die Vokabel ungespitzt. Ein Bleistift ist ungespitzt, wenn er keine Spitze hat, ein Bleistift ist angespitzt, wenn er eine hat. So einfach so klar. Aber was zur Hölle ist dann ein unangespitzter Bleistift? Verstehen Sie, was ich meine? Der Duden kennt das Problem, weshalb es den Artikel „ungespitzt“ gibt, den Artikel zu „unangespitzt“ aber nicht.

Unsere Sprache ist durch zwei sich gegenüberstehende Phänomene bedroht. Das eine kennen Sie ja nun. Das zweite stelle ich Ihnen hier kurz vor. Auf der anderen Seite nämlich ist das unser Hang zur Sprachökonomie (Faulheit), der sich in vielen Phänomenen zeigt wie zum Beispiel beim Wegfall der Präpositionen, Artikeln oder der Pronomen. Wo sich der Satz „Gehe heute Kino.“ noch seltsam anmutet, sind Sätze wie „Habe heute Zeit“ längst im Sprechalltag angekommen. Auch sind uns Ähnlichkeiten im alltäglichen Sprachgebrauch in ihrer Verwendung immer recht, um möglichst wenig mit bizarren Sonderformen konfrontiert zu werden. Dem Konjunktiv I geht es deshalb an den Kragen, deshalb verschwinden solch schöne Verbkonjugationen wie „bellen, boll, gebollen“ und wenn wir nicht genau aufpassen, dann „rufte mir der Nachbar“ schon mal von weitem zu. So etwas liest man zuzeiten in deutschen Aufsätzen.

Hier müssen wir hart durchgreifen. Wir müssen unseren grünen Daumen im Garten der deutschen Sprache allseits gegen das Unkraut verteidigen. Das klingt jetzt ungenehm, aber wir müssen alle mehr Duden sein.

Schrödingers Kommode

Information: Ein mit weißem Klebeband oben und unten fixiertes DIN A4 Blatt mit schwarzem und grünem Faserstift bemalt.

Zitat:                           schön, dass ihr etwas zu

                                   verschenken habt

                                   Aber stellt es bitte vor

                                   eure eigene Tür!

                                   Auch wenn es regnet, ist hier

                                   kein Abstellplatz !

                                   Und jetzt holt bitte diese „Kommode“ ab 

                          

Kommentar: In Hannover Linden ist es tatsächlich üblich, Dinge vor die Tür zu stellen mit dem Vermerk „zu verschenken“. Selbst Dinge, die andere nicht einmal geschenkt haben wollen, finden so häufig noch einen Platz abseits der Mülltonnen. Manchmal kommen diese Dinge von dort leider nicht mehr weg, was dem ein oder anderen dann stinkt.

Wir müssen davon ausgehen, dass jeder Hausbewohner auf die Frage des Einen hin verneinte, als dieser nach dem Besitzer der „Kommode“ fragte, denn der Hinweis in grün würde sonst keinen Sinn ergeben. Wollen wir hoffen, dass niemand von ganz oben nach ganz unten und wieder zurück musste (fünf Etagen!), um die leidige Besitzfrage zu stellen, die womöglich auch noch jemand mit „Nein“ beantwortet haben könnte, in dessen Besitz sich die „Kommode“ einmal befand.

Denn wenn ich etwas zu verschenken habe und auf die Straße stelle, bin ich doch nicht mehr Besitzer dessen. Vielmehr verhält es sich mit dem Besitz nun so ähnlich wie mit Schrödingers Katze: In dem Moment der Frage könnte ja jemand vorbeigekommen sein, um die „Kommode“ abzuholen und die Frage wäre mit „Nein“ zu beantworten. Ohne nachzuschauen, ob die „Kommode“ noch da ist, wüsste niemand, wem die „Kommode“ gehört. Und eigentlich ist es auch nicht wie mit Schrödingers Katze, denn die gehört ja Schrödinger, besser: gehörte, besser: suchen Sie sich etwas aus!

Sollte Sie also einmal jemand nach dem Besitz oder Verbleib einer „Kommode“ fragen, sagen Sie einfach, die gehört(e) Schrödinger.

Zukunft in der Grundschule

Heute war Zukunftstag. Mein ältester Sohn begleitete mich in die Schule und saß die ganze Zeit in meinem Unterricht herum. Ich war schlecht vorbereitet, also nicht für den Unterricht, eher auf seine Anwesenheit. Ich glaube, das war einer der langweiligsten Tage, die er je erleben musste, weil ich ihn da sitzen ließ und es genau der gleiche Quatsch war, den ihn die restliche Woche auch so umtreibt, nur dass statt eines Lehrers sein Vater da vorne stand.

Und was für ein Horrortag. Der eine Junge bekommt seit Ende der Osterferien ein neues Medikament, das noch nicht so richtig eingestellt ist, weshalb er im Unterricht laute Furz-, Räusper- und Schluckgeräusche von sich gibt, um auf sich aufmerksam zu machen. Oder er gibt zu allem und jedem seinen Senf ab, wobei ich davon insgesamt vier Spezialisten habe. Ein Mädchen, emotional auch nicht gerade ein Fels in der Brandung drohte dann einem anderen Mädchen Schläge an und verließ dann gleich zweimal wutentbrannt den Raum, während ich ein Kapitel aus dem Buch vorlesen wollte. Als dreiviertel der Doppelstunde um war, musste ich das Lesen vollkommen einstellen und ordnete eine Zwangspause an. Ich ließ die Kinder, weil sie mir so auf die Nerven gingen, drei Seiten in einem Arbeitsheft bearbeiten und nahm am Ende alle Hefte mit, um, wie ich sagte, eine Note zu vergeben. Das war wirklich das Dümmste, was mir einfallen konnte, einen Tag vor dem Wochenende. Glücklicherweise hatte ich das Kapitel für einen Schüler mit Corona gerade komplett eingescannt, so dass ich trotz der eingesammelten Arbeitshefte eine saftige Hausaufgabe zur Lektüre geben konnte. Die Hefte habe ja nun leider ich an der Backe.

Die nächsten zwei Stunden waren nicht besser. Ich reagiere allergisch auf die Anrede „Herrn spraakvansmaak“. Ich kann nicht verstehen, wie sich dieses „n“ da ans Ende vom Herrn eingeschlichen hat. Und dann noch dieses Duzen dabei, weil sie ja noch nicht gelernt haben, Sie zu sagen. „Herrn spraakvansmaak, kannst du mal kommen?“ „Herrn spraakvansmaak, kannst du mal weggehen, ich kann die Tafel nicht lesen.“ Ich bin jetzt seit fast einem Jahr an der Grundschule, und wenn ich nicht wüsste, dass sie es nicht besser können, ich wüsste, dass ich das so machen würde, um meine Lehrer zur Weißglut zu treiben. Und dann gucken die dabei so lieb und unschuldig, was sie eigentlich auch sind, denke ich, bevor ich einem gestatte, während der Stunde auf Toilette zu gehen, um dann festzustellen, dass plötzlich die halbe Klasse mal muss. Rudelpissen bei Herrn spraakvansmaak.

Die letzten zwei Stunden sind dann Erholung pur, in meiner Daz-Stunde lerne ich italienische und türkische Farben und meine beiden Schüler lernen gefühlt überhaupt nichts. Das Suchsel, in dem ich Farben zum Suchen untergebracht hatte, kam bei dem türkischen Jungen überhaupt nicht an, weil er nicht verstand, wie das gehen sollte. Als ich ihm dann vier Begriffe gezeigt hatte, mit Händen und Füßen zu erklären versuchte, dass die Begriffe von rechts nach links, von oben nach unten und diagonal angeordnet sein können, war die Stunde fast rum. Wir spielten noch eine Partie Dobble und ich ließ sie ziehen. Kahverengi heißt braun auf türkisch und marone auf italienisch. In der letzten Stunde hatte ich überhaupt keine Lust mehr, wir alberten ein bisschen herum, verglichen die Hausaufgaben, und weil auf dem Arbeitsblatt noch zwei weitere Aufgaben drauf waren, dachte ich, kann es ja nicht schaden, wenn wir die auch noch schnell machten. Dann sollten alle den Einleitungssatz für einen Bericht schreiben. Ein Satz, vier Informationen: wer, wann, wo was. Wir verglichen das und stellten fest, dass sich die Sätze am besten anhörten, die mit wann oder wo begannen. Da meldete sich doch glatt mein Sohn und ich nahm ihn dran und  er wollte am Unterricht teilnehmen und auch einen Satz sagen. Und da fühlte ich mich an mein allererstes Praktikum zurückerinnert, bei dem ich hinten in der letzten Reihe saß und es mir als semijunger Student plötzlich so ging und ich mich am liebsten auch gemeldet hätte, um etwas beizutragen.

Nichts gefunden

Ein etymologischer Merksatz: Stemmen und stammen gehören nicht zusammen.

Aber beginnen wir ganz vorn: Meine Suche begann hier, als ich über einen Rechtschreibfehler stolperte. Die werte Kollegin hatte nämlich „stämmen“ geschrieben, meinte aber eindeutig stemmen. Weil ich mir selbst unsicher war, der erste Eindruck sozusagen ein Achtung! generierte, wollte ich das genauer wissen. Ich stemmte nicht wie früher mein Wörterbuch auf den Schreibtisch, sondern tippte bequem per Tastatur meine Vermutung ein, nämlich das Wort „stemmen“. Nur wenige Treffer später landete ich auf meiner bevorzugten Seite, dem DWDS. Dort kurz nachgeschlagen, dann bei Stamm nachgelesen und schon war mein Merksatz fertig,denn beide Wörter klingen zwar ähnlich und ähneln sich auch in ihren wechselseitigen Beugungen und Aussprachen, haben aber gänzlich unterschiedliche Wurzeln.

Aber dann passierte etwas Seltsames: Während meiner Suche hatte ich den Korpus gewechselt. Das bedeutet, dass meine ursprüngliche Suche zwar im „normalen“ Wörterbuch begann, aber fortgesetzt wurde im etymologischen Wörterbuch, einer Unterart des Wörterbuches, die sich ausschließlich der Wortherkunft, also der Abstammung widmet. Das passierte, weil ich einem Link in einem Text folgte. Der neue Korpus war exakt auf meine Suche zugeschnitten, ich musste dafür keine Seite wechseln, keinen Befehl geben, es passierte durch einen Klick mit der Maus. An dieser Stelle hätte ich sonst bereits ein weiteres Wörterbuch gestemmt, den Kluge, mein etymologisches Wörterbuch.

Um meiner Suche ein wenig mehr Gehalt zu verleihen, musste ich nun allerdings doch die Seite wechseln. Ich begab mich zur Wikipedia, damit ich dort erfahren konnte, woher denn dieses DWDS eigentlich kommt und wie das funktioniert. Beim Lesen des kurzen, informativen Artikels stieß ich auf das Konzept der semantischen Suche und war sofort begeistert: „Neben dem Nutzen als Synonymwörterbuch und Thesaurus kann man über diesen Informationstyp im WDG nicht mehr nur elektronisch blättern, sondern auch ’semantisch‘ navigieren. Beispielsweise kann man vom Stichwort Insekt direkt zu dessen Synonym Kerbtier springen, aber genauso zu allen untergeordneten Begriffen wie Ameise, Floh, Johanniskäfer oder Wasserläufer.“ So steht es dort geschrieben.

Das brachte mich auf allerhand Ideen. Wie wäre es, wenn es zu einer semantischen Suche auch noch eine Reimsuche gäbe, allerdings mit einem wohlklingenden Fachausdruck. Für Reim nach einem Fachausdruck zu suchen, erschien mir dann aber nicht zielführend, zumal mir bei meiner Suche allerhand vorgeschlagen wurde, was sich auf Fachausdruck reimen soll.

Doch wie verhält es sich wohl mit einer assoziativen Suche? Auf welche Begriffe käme man, wenn man assoziativ vom Begriff Insekt starten würde, wo würde man da landen? Auch diese Frage musste beantwortet werden, also suchte ich nach der assoziativen Suche und fand sie bei Stefan Ram. Wenn ich etwas über Insekten erfahren wollte, müsste ich bei der deskriptiven Suche nur das Wort Insekten eingeben und würde fündig werden. Nach Stefan Ram funktionieren Suchmaschinen aber eher nach der assoziativen Suche, das heißt, wenn ich etwas über Insekten wissen möchte, muss ich nach Begriffen suchen, die mit diesem Wort in Verbindung stehen, anstatt mit dem Begriff selbst. Letzteres kann zwar auch funktionieren, scheint aber noch immer nicht richtig ausgereift. Bei dem Wort Insekt hieße das, ich dürfte nicht nach Insekt suchen, sondern müsste eher nach Ameise, Floh, Johanniskäfer suchen, wenn ich etwas über Insekten erfahren wollte. Die assoziative Suche in Suchmaschinen entspricht also sozusagen dem Reziproken der semantischen Suche im Wörterbuch? Tja, ein Wörterbuch ist eben keine Suchmaschine.

An dieser Stelle habe ich meine Suche dann beendet, weil mir klar wurde, dass ich eigentlich nichts gefunden habe, bis auf den Rechtschreibfehler.

Irgendwo bellte ein Hund IV

Christopher Ecker, Fahlmann, Mitteldeutscher Verlag, 2014,

S. 289:

„…Gelegentlich fuhr ein Auto vorbei. Zwei Straßen weiter kläffte ein Hund. In weiter Ferne schlug eine Kirchturmuhr…“,

S. 578:

„Von Boka beugte sich aus dem Fenster. Irgendwo kläffte ein Hund. Straßauf, wo keine Laternen mehr standen, spiegelte sich der Mond silbern auf dem feuchten Pflaster. Straßab brandete Gelächter aus einem Hausflur…“