Ferien

Habe mir viel vorgenommen für die Ferien und wollte den Post nicht mit „ich“ beginnen, deshalb sparte ich mir das Pronom. Den fünften Tag in Folge trank ich zu viel und schob es auf die schreckliche Schulzeit, von der ich mich erholen müsste; Grundschule, Brennpunkt. Wenn ich nur die Worte Grundschule und Brennpunkt schon lese, dann wird mir schlecht ob der ganzen Misere, in der wir stecken.

Habe einen Deutsch-Förderkurs. Sechs Schülerinnen und Schüler durfte ich auswählen von 20, die die Förderung brauchen. Eine läuft super, macht, was sie soll, ist interessiert und dankbar. Habe vier Mitläufer, die gar nichts verstehen und einen, der quer schießt, den ich ausgewählt habe, weil ich eben nicht nur die Schwachen, sondern alle fördern möchte. Keinem/r werde ich gerecht oder kann etwas ändern. Freitag, sechste Stunde: Quatsch mit spraakvansmaak.

Vom Täter, der Ableitung und dem Nomen agentis

wort-für-wort-steffen03                                                                               Wussten Sie, dass laut Kluge – Etymologisches Wörterbuch die Täterbezeichnung zur Statistik Statistiker lautet? Nein? Ich auch nicht. Wieder was gelernt. Die Täterbezeichnung von Tat ist jetzt wohl kein Geheimnis mehr, denke ich. Und die von Start? Ha! Es gibt keine. Der Starter ist nur Nomen agentis. Und was sagt der Duden dazu? Der sagt nur Ableitung. Wie fade!

Holzsuppe

Ich nenne so etwas ab jetzt Holzsuppe, weil es, obwohl so dünn, trotzdem schlecht verdaulich ist. Zuerst eine kleine Bildbeschreibung, weil ich kein Bild aus einem Schulbuch in mein Blog stellen will:

Ein Junge rennt auf einer staubigen Aschebahn vermutlich um die Wette. Vermutlich, weil eine weitere Person daneben nur als Schatten auf der Bahn zu erkennen ist. Der Junge selbst trägt ein weißes Basecap, ein weißes kurzärmliges T-Shirt, eine schwarze knielange Hose, schwarze Socken und weiße Turnschuhe. Er hat die Hände zu Fäusten geballt und läuft mit angewinkelten Armen, der Beinstellung entgegen positioniert, auf die Kamera zu. Im Hintergrund sind unscharf weitere Kinder/Menschen zu erahnen, erkennen kann ich sie nicht. Es ist ein sonniger Tag (Schatten) im Mai?

Das Foto befindet sich im Deutschbuch, Differenzierende Ausgabe, der Jahrgangsstufe 6 auf der Seite 52. Der Verlag ist Cornelsen. Die Überschrift auf der Seite lautet: „3.2 Sport für einen guten Zweck – Einen Zeitungsbericht untersuchen und schreiben“. Das Foto selbst gehört zu einem Zeitungsartikel, die Zugehörigkeit ergibt sich m.E. aus der Rahmung in einer einheitlichen Farbe um Text und Bild. 2/3 der Buchseite ist damit ausgefüllt.

Der Text ist betitelt mit einer eigenen Überschrift: „Schüler liefen für guten Zweck“. Dann beginnt der Text mit folgenden Worten: „Twist, 22.11.2011 (Fettdruck). Im Rahmen der 225-Jahr-Feier der Gemeinde Twist veranstaltete…“

Haben Sie mein Problem schon erkannt?

Mich stört so etwas ungemein. Hier geht nicht nur dem Schulbuch die Glaubwürdigkeit verlustig, sondern auch allen anderen Personen, die damit involviert sein könnten, schließlich steht im Autoren- und Quellenverzeichnis, dass es sich bei dem Zeitungsartikel um eine Meldung aus der NOZ (Neue Osnabrücker Zeitung) handelt. Vielleicht haben die ja diesen Bockmist geschssen (denken Sie sich einen Vokal Ihrer Wahl). Von mir gar nicht zu reden.

Wir waren noch bei der Überschrift, da sind bereits die ersten Arme oben: „Wieso ist denn der Junge nur im T-Shirt draußen? Da steht doch November?“

baufräumen

wort-für-wort-steffen03Die heutige Wortvorstellung in der Rubrik „Wort für Wort“ beschäftigt sich mit einem sogenannten Kofferwort, auch Port(e)manteauwort genannt. Ein Kofferwort besteht aus mindestens zwei Wörtern, die sich auf morphologischer Ebene überlappen. Den Prozess der Entstehung eines solches Wortes nennt die Sprachwissenschaft Kontamination. Soweit so Sprachwissenschaft.

Verlassen wir doch einmal den sprachwissenschaftlichen Aspekt der Bildung und führen den Laien lieber in die lustige Welt der dabei entstehenden Wörter ein. Ein Musterbeispiel bieten hierbei allerdings nicht die ohne Zweifel herrlich schrägen Sprüche „You go me animally on my nerves“ oder  „My dear mister singing club“ und deren Übersetzung, sondern vielmehr der Begriff unter dem sich diese Form der englisch-deutschen Sprachverhunzung zusammenfassen lässt: nämlich unter dem Begriff Denglisch (ein Kofferwort aus Deutsch und Englisch).

Den englischen, bzw. mittlerweile auch im Französischen und Deutschen geläufigen Begriff des Port(e)manteau hat übrigens seinerzeit Lewis Carroll geprägt. Humpty Dumpty erklärt Alice in dem Buch „Alice hinter den Spiegeln“ das Gedicht des Jabberwocky, indem er angibt, dass in jedem der unbekannten Worte zwei Bedeutungen stecken: sie seien wie Koffer. Leider ist das in der Übersetzung des Gedichts – davon gibt es mehr als 15 bedeutende allein in die deutsche Sprache – nicht immer konsequent umgesetzt worden.

„Gardaustig war’s und glasse Wieben“

lautet zum Beispiel die erste Zeile der berühmten Übersetzung von Christian Enzensberger, und da stellt uns bereits das erste Wort vor eine schwierige Aufgabe. Für „glasse“ einen Koffer aus glatt und blass zu entwickeln ist simpel, „Wieben“ bietet sogar vielfältigste Möglichkeiten, aber „gardaustig“?

Gut, wir sind darin ja nicht sonderlich geübt und tatsächlich haben wir in bisher allen genannten Beispielen und Experimenten lediglich eine von vier (andere sprechen noch von weitaus mehr) möglichen Wortbildungen durch Kontamination ausgeschöpft. Das bisher hier vorgestellte Verfahren bedient sich der Haplogie, die fälschlicherweise noch immer unter dem Begriff der Haplologie firmiert. Dabei geht es um die sinnvolle Verkürzung von mehreren gleichlautenden Silben oder Phonemen zu nur noch einer. Noch ein simples Beispiel zur Verdeutlichung: Wir sagen der Zauber und der, der es ausführt ist der Zauberer; wir sagen aber nicht die Zaubererin, sondern Zauberin. Häufig geschieht das zur Vereinfachung der Aussprache. Warum nun ausgerechnet die Haplogie weiterhin unter diesem Phänomen zu leiden hat, ist wohl ein Treppenwitz der Sprachwissenschaft.

Wie dem auch sei. Kommen wir zum Kern unserer Betrachtungen: dem Kofferwort baufräumen. Dieses setzt sich zusammen aus den Wörtern bauen und aufräumen. Wenn sie jemals in den Genuss kommen Kinder zu haben oder womöglich schon losgeworden sind, weil sie jetzt eigene Wege gehen, kennen sie das vielleicht: die herumliegenden Bausteine im Kinderzimmer, auf denen man sich so herrlich die unbeschuhten Füße wehtun kann. Zum Aufräumen werden Sie die lieben Kleinen vielleicht nicht bewegen, aber vielleicht wäre es einen Versuch wert, sie zum baufräumen zu bewegen, indem Sie sie vor die Aufgabe stellen, alle herumliegenden Steine für ein Bauwerk zu nutzen. Kein zusätzlicher Stein darf aus den Kisten genommen werden, es zählt allein die Schönheit des Bauwerks. Probieren Sie es doch einmal aus.

Freitagstextersiegerehrung

freitagstexter

Tja, der Freitagstexter ist halt auch nicht mehr, was er einmal war. Früher gab’s mehr Lametta, jetzt sind wir mit drei Beiträgen auch schon zufrieden. Immerhin. Letztes Jahr musste ich den Freitagstexter um eine Woche verlängern, weil es gar keinen Kommentar gab. Da ist das ja schon ein Fortschritt.

 

Also, packen wir’s an: Einen hervorragenden dritten Platz belegt Lakritze, die sich bemüßigt befand, mehr als die üblichen drei Worte zu schreiben. Zweiter wurde das hoffnungslose Pony vom boomerang.

Pokal nebst lila Pony gibt es diesmal für die werte Frau La Mamma, die mit zwei Worten und einer nebulösen Assoziation das Herz des Jurors erweichte. Herzlichen Glückwunsch!

Dort geht also am Freitag weiter.

Freitagstexter sonntags

Mir wurde von der Kollegin(Kollege?) aundo der Freitagstexterpokal zugeschanzt. Vielen Dank für diese Ehre, wo doch mein Blog irgendwie nicht so richtig ins neue Jahr überwechselt. Jedenfalls hielt es bis eben noch seinen WinterDornröschenschlaf.

Der ist jetzt vorbei. Ich präsentiere den neuen Freitagstexter, sonntags!

Alles, was Ihnen zu diesem Bild einfällt, dürfen Sie verwenden und in Kommentaren verewigen. Den/die Sieger/in küre ich am Mittwoch pünktlich trotz der zwei Tage Verspätung. Regeln gibt es für alle Fälle noch einmal hier.

Nun das Foto noch:

Fundstücke (8)

abgeschaut2-steffenDer Pestarzt hat in seinem aktuellen Beitrag ein wirklich schönes Plakat abgebildet. Darauf steht: „Hört auf zu Hupen hier wohnen Menschen keine Autos“.

„Die Pupsgesichter aus meinem Superoberklassenvollhonkbezirk haben die Wisbyer Straße voll mit Schildern zugekackt, auf denen sie die Autofahrer mit ihrem nöligen Aktivistenduktus dazu bringen wollen, nicht mehr zu hupen. Haha. Hahahah. In Berlin! Nicht mehr hupen! Stille möchten sie anordnen. Wie sie es kennen aus Erkenschwick. Tuttlingen. Bad Bevensen. Was jetzt passiert ist klar, oder? Ich fahre da wöchentlich locker vier-, fünf- oder gerne auch sechsmal lang. Und die Leute hupen. Manchmal einen Rhythmus. Gerne diesen Fußballgröhlertakt. Möp-Mö-Möp-Möp—Möp-Möp-Union! Jedes Mal, wenn ich momentan da vorbei fahre, hupt einer. Manchmal ganze Melodien. Einmal ein Laster mit seinem Nebelhorn. Ach, mein Berlin. Wir mögen Hupen eigentlich auch nicht, aber noch weniger mögen wir schildermalende Zuziehende, die sich an Erziehung versuchen.“

Mit dem was er schreibt, bringt er es auf den Punkt, jeder kennt das. Da, wo Müll abladen verboten ist, dort wird der Müll abgeladen, da, wo keiner hupen soll, da wird extra gehupt.

Ein Gedicht

Hin und wieder reizt es mich. Heute hatte ich einer Klasse einen Klassetext über die Verhunzung eines Morgensterngedichts gegeben. Wir sind natürlich jede der einzeln beschriebenen Aufgaben durchgegangen und konnten uns am Ende des Eindrucks nicht erwehren, dass die Verfasser des Textes diesen ironisch gemeint haben müssen. Ein schönes Ergebnis für die erste der Doppelstunde, wie ich finde.

Aber es kam noch besser: Als wir damit fertig waren, überlegte ich laut, was denn stattdessen eine interessante Aufgabe sei, die ein Pädagoge hier stellen könnte, und nach nicht allzu langem Hin und Her kam recht schnell dabei heraus, dass die lieben Kleinen gern selbst ein Gedicht verfassen wollen; im Sinne der Vorlage natürlich, also eigene erfundene Wörter, die sich reimen. Meine Bedingung war – denn ich machte mir Sorgen um das Stundenziel – ein Kreuzreim, so wie er im Gruselett von Morgenstern – denn um dieses Kleinod deutscher Dichtkunst ging es – vorhanden ist.

Gesagt getan. Ich hatte viel Spaß, denn ich habe auch gedichtet. Aus Datenschutzgründen gibt es hier nur mein Gedicht, aber die Gedichte der lieben Kleinen waren auch sehr nett.

Schmuselett

Der Hinterfieger gurrelt

durchs Quatepetlgör,

die brummse Quassel surrelt

ihm leise in sein Höhr.

Mischmasch

wort-für-wort-steffen03Ich hatte mir vor Tagen einen kleinen pinkfarbenen Klebezettel in meinen Kluge (etymologisches Wörterbuch) hinterlegt und darauf das vielsagende Wort „Mischmasch“ notiert. Ich kann mich kaum an den Abend erinnern, an dem das geschehen sein soll; dennoch, der Zettel klebt da.

Was mache ich nun mit dieser Botschaft, die leider nicht mehr zu entschlüsseln ist? Ich lese den Artikel dazu erneut:

„m. stil. (< 16.Jh.). Ablautbildung, vielleicht von Paracelsus gebildet. Röhrich 2 (1992), 1036.“

Tja, das ist der gesamte Eintrag. Der Duden nennt das Ganze übrigens nicht Ablautbildung, sondern Reduplikationsbildung. Diese ist natürlich fehlerhaft, weil aus dem „Misch“ ein „masch“ wird, ähnlich wie bei Saus und Braus, Hinz und Kunz, Hans und Franz usw. Interessanter erscheint da schon die Aussage, dass Paracelsus dieses gebildet hätte. Die fehlt im Duden, die lehnen sich ungern so weit aus dem Fenster.

Paracelsus ist natürlich ein Synonym für einen furchtbar langen, anderen Namen, den ich als Kind schon mit einer höchst merkwürdigen Begebenheit verbinde. Wir wohnten nämlich in der Nähe der Paracelsusstraße, die von mir immer Paracelsiusstraße genannt wurde. Mir war der wohltemperierte Klang des zusätzlichen „i“ so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich mich selbst nach Jahren noch, als ich längst wusste, wie die Straße richtig heißt und nach wem sie benannt worden ist, dabei ertappte, wie ich das „i“ dareinfügte, einfach des Klanges wegen.

Der geneigten Leserin wird der kleine Fauxpas mit dem ins Leere laufenden Relativsatz nicht entgangen sein. Mir fiel er soeben auf, nachdem der Text nun eine feine Staubschicht angesetzt hat. Ich schrieb den Anfang nämlich schon vor einer ganzen Weile. Ich habe natürlich auch vergessen, wie ich den Text enden lassen wollte, weshalb ich ihn gerade noch einmal las. Ich bin jetzt leider keinen Schritt weiter, denn ein Ende sollte dieser Text doch bekommen, bevor er im Blog erscheint.

Ich könnte ja den allseits bekannten Ausspruch Paracelsus‘ nutzen, der einmal gesagt haben soll, dass das Gift die Dosis mache. Auch hier kommt es ja auf Mischverhältnisse an. Stattdessen ließe sich aber auch die Verschmelzung aus Para- und -celsius als Mischmasch bezeichnen. Nein, das ist zu gewollt, wenngleich es die Wahrheit ist und ich tatsächlich als Kind das „i“ einfügte. Oder ich benutze den falschen Relativsatz als „Mischmasch“ in der Sprache und hätte ein versöhnliches Ende. Als letztes fiele mir noch der Unterschied zwischen der Ablaut- und der Reduplikationsbildung, der fehlerhaften, ein, den ich nutzen könnte, um daraus ein Ende für den Text zu stricken.

Vielleicht erzähle ich aber lieber, was sich ereignete, als ich den Text nicht zu Ende schrieb: Ich beschloss ein letztes Bier aus dem Keller zu holen, ging am Fenster meines Nachbarn vorbei, dieser winkte und ich deutete mit der leeren Flasche den Nachschubweg an. Als ich aus dem Keller zurückkam, ging ich die paar Stufen zu seiner Eingangstür hinauf, klopfte und trat ein. Ein dickes Buch lag aufgeschlagen auf seinem Küchentisch. Mein Nachbar ist Altsprachler, und was mir das etymologische Wörterbuch ist, ist ihm sein Altgriechisch-Deutsches Wörterbuch. Er erzählte mir dann, dass das Verb „kacken“ griechischen Ursprungs sei, das habe er gerade eben durch Zufall nachgelesen.  Darauf stießen wir an und dann endeten der Abend und der Text nicht.

 

Den Klebezettel habe ich nun entfernt. Die griechische Wurzel von „kacken“ habe ich im Kluge bestätigt, und ob der alte Paracelsius nun die Dosis zum Gift erklärt oder das Wort „Mischmasch“ erfunden hat, ach, scheißdrauf!

 

Fundsachen (7)

abgeschaut2-steffen

So einleuchtend dieses Wort auf den ersten Blick daherkommen mag, es könnte doch vielfältige Erklärungsversuche des Wortes „Bevölkerungsdichte“ geben. Mir fiele dabei ja spontan der Alkoholkonsum pro Kopf pro Jahr ein, aber auch der Kollege Lo hat eine sehr kreative „Erklärung“