behelligen

behelligen: In dem seit dem 20. Jh. kaum mehr gebräuchlichen Verb stecken zwei mhd. Adjektive, die sich semantisch  widersprechen: hel für „schwach, matt“, woraus sich zuerst das Verb helligen „ermüden“ abgeleitet hat, das später durch die Präfixbildung „behelligen“ ersetzt wurde; bzw. hel für „tönend, licht, glänzend“, demzufolge neueste etymologische Studien auf eine Renaissance des Verbs in Verbindung mit der Benutzung von Smartphones schließen: jmd. behelligen: zu nachtschlafender Zeit Text-, Bild- oder Sprachnachrichten versenden.

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Fundsachen (5)

An dieser Überschrift kann ein ausgewachsener Stadtaffe schon gehörig was zu knabbern haben. Mit dem Bild darunter allerdings, das auf den ersten Blick so gar nicht zur Überschrift passen mag, sind wahrscheinlich sogar Stadtphilosophen überfordert. Ich habe deshalb gar nicht erst versucht, die Komposition zu deuten, sondern lasse jedes für sich wirken. Überhaupt sollte man beim Glumm alles für sich wirken lassen – schön langsam versteht sich.

Gefangener

gefangener.jpg

Information: Ein weißer Zettel in A4-Format, quer auf eine Hauswand geklebt, dreifarbig gestaltet. Auf einen grünen Schriftzug folgt eine rote Aufzählung, rechts oben prangt ein blaues Gesicht.

 

Zitat:                           Wievieler Dinge

                                    wegen macht der

                                   Mensch sich zum

                                  Gefangenen und

                                   zum eigenen Sklaven

                                   z.B. Geld, Macht, Vergnügen usw.

 

Kommentar: Heute einmal ganz philosophisch: Die beispielhafte Beantwortung der gestellten Frage am Ende des Textes impliziert, dass es gar nicht so sehr um die Zahl geht, sondern um das Benennen der Dinge, worumdessen sich der Mensch zum Gefangen und zum eigenen Sklaven macht. An der Frage wie auch an der beispielhaften Antwort ist gar nichts zu bemängeln. Allerdings könnte sich die Gestaltung des Zettels auch ganz anders ausnehmen. Wünschenswert wäre hier eine Form des Abreißzettels, quer zum restlichen Schriftbild, entweder leicht perforiert oder gleich zugeschnitten, so dass vorbeikommende Fußgänger sich an ihnen bedienen könnten. Stellen Sie sich einmal vor, da fehlten bereits die Hälfte der Zettel. Die Leute kämen aus dem Nachdenken gar nicht mehr heraus. Was könnte auf den fehlenden Schnipseln gestanden haben? Sex vielleicht? Anerkennung? Selbstwert? Neugier? Wir könnten den Passanten dazu zwingen, über die Frage nachzudenken. Auf einer ganz persönlichen Ebene. Am Ende bliebe womöglich kein Abreißzettel mehr übrig, Vorübergehende müssten sich immer fragen, ob da nicht vielleicht eine Telefonnummer, Internetadresse hinterlegt gewesen ist, ob es vielleicht noch Zettel mit Schnipseln gibt, die mehr verraten. Plötzlich tigern Menschen durch die Wohnviertel und suchen Zettel an Hauswänden, nur weil sie Angst haben, etwas verpasst zu haben, Geld womöglich, Macht oder Vergnügen. Ein Potpourri an Möglichkeiten.

Das Wort „worumdessen“ habe ich übrigens frei erfunden. Das gibt es nicht.

Herzlich willkommen

Herzlich willkommen

Information: Eine rote Klebefolie mit darunter durchscheinendem weißen Schriftzug. Perfekt eingepasst in einen dünnen weißen Kleberahmen, der rechteckig entlang der Glasfläche einer Glastür angeklebt ist. Die schmale Glasfläche, rechts daneben im Bild, zeugt von der Professionalität und Einheitlichkeit auf sämtlichen Glasflächen des Geschäfts. Profiarbeit.

 

Zitat:

Herzlich Willkommen

 

Kommentar: Naja, nicht ganz. Der Profi hätte sich vorher im Duden über die richtige Schreibweise von Willkommen informiert und da wäre ihm aufgefallen, dass Willkommen in „…Fügungen wie „Herzlich willkommen“ oder „Seien Sie herzlich willkommen“…“ klein geschrieben wird, da sich Willkommen in diesem Fall einer adjektivischen Verwendung erfreut. Aber Schwamm drüber. Das ist nun wirklich Korinthenkackerei gegenüber der weniger marginalen Feststellung, dass es der Tür an etwas Offensichtlicherem mangelt. Die Scharniere rechts unten deuten es bereits an. Die Tür öffnet sich nach außen. Von innen ist eine Klinke zu sehen, nur von außen fehlt diese leider. Was vorher schon weniger ernst genommen wurde, schließt sich demnach völlig aus, weil diese Tür überhaupt niemanden willkommen heißen kann. Vielleicht einen Steinewerfer oder jemanden, der mit einem Kuhfuß ausgestattet ist, aber die Normalsterblichen, die sich an herkömmliche Regeln zum Öffnen einer Tür halten, müssen leider draußen bleiben.

nur

Wenn irgendwas nur noch einfach nur noch ist, können Sie, geneigte Leserinnen, davon ausgehen, dass etwas so pur und unverfälscht daher kommt, dass Ihnen die Worte fehlen, es auszudrücken, weshalb sie auf die Formulierung „einfach nur noch“ zurückgreifen. Sie brauchen sich jetzt gar nicht herausreden, Sie hätten das noch nie gesagt. Das glaubt Ihnen keiner. Ich glaube Ihnen das nicht, denn ich gehe bei meinen Forschungen streng wissenschaftlich vor. Ich befrage bei einem leisen Verdacht Leute, die sich damit auskennen: Die Wortschatzseite der Universität Leipzig. Die registrieren alles! Jede noch so kleine Regung der menschlichen Sprache wird dort verzeichnet und in eine Statistik gequetscht.

Ich habe mir, um dem Inhalt hier Raum zu geben, einmal die Mühe gemacht und das Wort „nur“ nach seinen natürlichen linken und rechten Nachbarn befragt, eben auf der oben genannten Seite. Wussten Sie, dass an dritter Stelle des linken Nachbarn bereits das Wort „einfach“ auftaucht? Ferner sind das erstplatzierte und zweitplatzierte Wort sogar identisch, weil sie sich nur in Groß- und Kleinschreibung voneinander unterscheiden. Es handelt sich dabei um das Wort „nicht“, bzw. „Nicht“. An dritter Stelle kommt wie gesagt schon „einfach“. Schaut man sich den rechten Nachbarn von „nur“ an, so liegt das Wörtchen „noch“ mit weitem Abstand zu nachrangigen Plätzen auf Platz eins! Das lässt tief blicken.

Nicht nur noch, dass die Redewendung „nicht nur noch“ noch häufiger zu sein scheint, als die Redewendung „einfach nur noch“, fällt dabei auf, in welch desolatem Zustand sich die deutsche Sprache befinden muss; das ist einfach nur noch bedenklich, höchst bedenklich. Ich kann gar nicht ausdrücken, wie bedenklich ich das finde, wo ich doch die Redewendung „nicht nur noch“ oder „Nicht nur noch“ einfach nur noch gar nicht kenne. Vielleicht sollte ich mal wieder unter Leute gehen, ihnen aufs Maul schauen, statt auf blöden Internetseiten Dinge zu recherchieren, die gar keine Relevanz besitzen? Linke und rechte Nachbarn, wer kennt die schon heutzutage oder sucht nach denen?

Fundsachen (4)

Ein wirklich schöner Artikel zum Territorialzeichen vom Kollegen Trithemius. Bei relativ offener Interpretation sind Zettel und Schilder fast ausschließlich Territorialzeichen, da sie ja immer ein bestimmtes Gebiet markieren, in dem eine besondere Regel gilt. Ausgenommen davon sind nicht einmal Suchanzeigen von Hamstern, Hunden, Katzen und dergl., da auch diese Zettel ja auf ein Gebiet hinweisen, in dem nach dem verschwundenen Haustier vorrangig gesucht wird.