Freitagstextersiegerehrung

freitagstexter

Tja, der Freitagstexter ist halt auch nicht mehr, was er einmal war. Früher gab’s mehr Lametta, jetzt sind wir mit drei Beiträgen auch schon zufrieden. Immerhin. Letztes Jahr musste ich den Freitagstexter um eine Woche verlängern, weil es gar keinen Kommentar gab. Da ist das ja schon ein Fortschritt.

 

Also, packen wir’s an: Einen hervorragenden dritten Platz belegt Lakritze, die sich bemüßigt befand, mehr als die üblichen drei Worte zu schreiben. Zweiter wurde das hoffnungslose Pony vom boomerang.

Pokal nebst lila Pony gibt es diesmal für die werte Frau La Mamma, die mit zwei Worten und einer nebulösen Assoziation das Herz des Jurors erweichte. Herzlichen Glückwunsch!

Dort geht also am Freitag weiter.

Freitagstexter sonntags

Mir wurde von der Kollegin(Kollege?) aundo der Freitagstexterpokal zugeschanzt. Vielen Dank für diese Ehre, wo doch mein Blog irgendwie nicht so richtig ins neue Jahr überwechselt. Jedenfalls hielt es bis eben noch seinen WinterDornröschenschlaf.

Der ist jetzt vorbei. Ich präsentiere den neuen Freitagstexter, sonntags!

Alles, was Ihnen zu diesem Bild einfällt, dürfen Sie verwenden und in Kommentaren verewigen. Den/die Sieger/in küre ich am Mittwoch pünktlich trotz der zwei Tage Verspätung. Regeln gibt es für alle Fälle noch einmal hier.

Nun das Foto noch:

Fundstücke (8)

abgeschaut2-steffenDer Pestarzt hat in seinem aktuellen Beitrag ein wirklich schönes Plakat abgebildet. Darauf steht: „Hört auf zu Hupen hier wohnen Menschen keine Autos“.

„Die Pupsgesichter aus meinem Superoberklassenvollhonkbezirk haben die Wisbyer Straße voll mit Schildern zugekackt, auf denen sie die Autofahrer mit ihrem nöligen Aktivistenduktus dazu bringen wollen, nicht mehr zu hupen. Haha. Hahahah. In Berlin! Nicht mehr hupen! Stille möchten sie anordnen. Wie sie es kennen aus Erkenschwick. Tuttlingen. Bad Bevensen. Was jetzt passiert ist klar, oder? Ich fahre da wöchentlich locker vier-, fünf- oder gerne auch sechsmal lang. Und die Leute hupen. Manchmal einen Rhythmus. Gerne diesen Fußballgröhlertakt. Möp-Mö-Möp-Möp—Möp-Möp-Union! Jedes Mal, wenn ich momentan da vorbei fahre, hupt einer. Manchmal ganze Melodien. Einmal ein Laster mit seinem Nebelhorn. Ach, mein Berlin. Wir mögen Hupen eigentlich auch nicht, aber noch weniger mögen wir schildermalende Zuziehende, die sich an Erziehung versuchen.“

Mit dem was er schreibt, bringt er es auf den Punkt, jeder kennt das. Da, wo Müll abladen verboten ist, dort wird der Müll abgeladen, da, wo keiner hupen soll, da wird extra gehupt.

Ein Gedicht

Hin und wieder reizt es mich. Heute hatte ich einer Klasse einen Klassetext über die Verhunzung eines Morgensterngedichts gegeben. Wir sind natürlich jede der einzeln beschriebenen Aufgaben durchgegangen und konnten uns am Ende des Eindrucks nicht erwehren, dass die Verfasser des Textes diesen ironisch gemeint haben müssen. Ein schönes Ergebnis für die erste der Doppelstunde, wie ich finde.

Aber es kam noch besser: Als wir damit fertig waren, überlegte ich laut, was denn stattdessen eine interessante Aufgabe sei, die ein Pädagoge hier stellen könnte, und nach nicht allzu langem Hin und Her kam recht schnell dabei heraus, dass die lieben Kleinen gern selbst ein Gedicht verfassen wollen; im Sinne der Vorlage natürlich, also eigene erfundene Wörter, die sich reimen. Meine Bedingung war – denn ich machte mir Sorgen um das Stundenziel – ein Kreuzreim, so wie er im Gruselett von Morgenstern – denn um dieses Kleinod deutscher Dichtkunst ging es – vorhanden ist.

Gesagt getan. Ich hatte viel Spaß, denn ich habe auch gedichtet. Aus Datenschutzgründen gibt es hier nur mein Gedicht, aber die Gedichte der lieben Kleinen waren auch sehr nett.

Schmuselett

Der Hinterfieger gurrelt

durchs Quatepetlgör,

die brummse Quassel surrelt

ihm leise in sein Höhr.

Keinepost

betrachtet-steffenInformation: Ein hölzerner Briefkasten mit einem darauf geschraubten Plastikschild. In der Einlage des Schildes ein kleiner, weißer, schwarz bedruckter Zettel.

 

Zitat:

Keinepost

Keine Werbung!

keine-post.jpg
 

Kommentar: Versuchen Sie einmal „Keinepost Nachname“ zu googeln. Sie werden kurzerhand gefragt, ob Sie nicht besser „keine Post nachnahme“ meinten. Google hätte auch schreiben können, ob Sie nicht mehr ganz bei Trost sind, das hätte nichts geändert, denn diese Frage ist eine sogenannte rhetorische Frage, Sie können Sie gar nicht beantworten. Die Antworten liefern Ihnen die unpassenden Suchergebnisse.

Leider war deshalb nicht festzustellen, ob es sich bei dem Begriff „Keinepost“ um einen echten Nachnamen handelt. Festzustellen bleibt allerdings, dass das „Keine Werbung!“ genau das bedeutet, was es bedeutet, denn die Anordnung der Aufforderung entspricht den Anordnungen der Aufforderungen der links- wie rechtsseitig montierten Briefkästen. „Keine Werbung!“ ist demzufolge kein Doppelname oder womöglich sogar zwei Einzelpersonen. Naja, immerhin wohnt hier keine WG im Haus, deren Bewohner ein Faible für skurrile Nachnamen hat.

Doch was soll ein solcher Briefkasten nun bedeuten, dessen eigentlicher Zweck es ist, doch genau das zu tun, was ihm hier mittels Botschaft versagt bleibt, nämlich Post aufzunehmen? Nicht einmal Werbung ist erlaubt. Das ist ja schon fast so gemein, wie wenn man mit Nachnamen „Licht“ hieße und ständig die Leute im Dunkeln bei einem klingeln, weil sie denken, dann geht das Licht im Flur an – nur anders herum, irgendwie.

 

 

Der größere Absatz ist als Zeit gedacht, die die geneigte Leserin womöglich für den angefügten Nachsatz hinter dem Gedankenstrich benötigt. Ich habe dafür viel länger gebraucht, wollte jetzt aber auch niemanden mit tausenden von Leerzeilen nerven, was ungefähr genauso blöd wäre, wie der oben gezeigte Briefkasten. Aber eines noch zum Schluss: Ich habe ganz genau nachgesehen, der Briefkasten war leer.

Mischmasch

wort-für-wort-steffen03Ich hatte mir vor Tagen einen kleinen pinkfarbenen Klebezettel in meinen Kluge (etymologisches Wörterbuch) hinterlegt und darauf das vielsagende Wort „Mischmasch“ notiert. Ich kann mich kaum an den Abend erinnern, an dem das geschehen sein soll; dennoch, der Zettel klebt da.

Was mache ich nun mit dieser Botschaft, die leider nicht mehr zu entschlüsseln ist? Ich lese den Artikel dazu erneut:

„m. stil. (< 16.Jh.). Ablautbildung, vielleicht von Paracelsus gebildet. Röhrich 2 (1992), 1036.“

Tja, das ist der gesamte Eintrag. Der Duden nennt das Ganze übrigens nicht Ablautbildung, sondern Reduplikationsbildung. Diese ist natürlich fehlerhaft, weil aus dem „Misch“ ein „masch“ wird, ähnlich wie bei Saus und Braus, Hinz und Kunz, Hans und Franz usw. Interessanter erscheint da schon die Aussage, dass Paracelsus dieses gebildet hätte. Die fehlt im Duden, die lehnen sich ungern so weit aus dem Fenster.

Paracelsus ist natürlich ein Synonym für einen furchtbar langen, anderen Namen, den ich als Kind schon mit einer höchst merkwürdigen Begebenheit verbinde. Wir wohnten nämlich in der Nähe der Paracelsusstraße, die von mir immer Paracelsiusstraße genannt wurde. Mir war der wohltemperierte Klang des zusätzlichen „i“ so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich mich selbst nach Jahren noch, als ich längst wusste, wie die Straße richtig heißt und nach wem sie benannt worden ist, dabei ertappte, wie ich das „i“ dareinfügte, einfach des Klanges wegen.

Der geneigten Leserin wird der kleine Fauxpas mit dem ins Leere laufenden Relativsatz nicht entgangen sein. Mir fiel er soeben auf, nachdem der Text nun eine feine Staubschicht angesetzt hat. Ich schrieb den Anfang nämlich schon vor einer ganzen Weile. Ich habe natürlich auch vergessen, wie ich den Text enden lassen wollte, weshalb ich ihn gerade noch einmal las. Ich bin jetzt leider keinen Schritt weiter, denn ein Ende sollte dieser Text doch bekommen, bevor er im Blog erscheint.

Ich könnte ja den allseits bekannten Ausspruch Paracelsus‘ nutzen, der einmal gesagt haben soll, dass das Gift die Dosis mache. Auch hier kommt es ja auf Mischverhältnisse an. Stattdessen ließe sich aber auch die Verschmelzung aus Para- und -celsius als Mischmasch bezeichnen. Nein, das ist zu gewollt, wenngleich es die Wahrheit ist und ich tatsächlich als Kind das „i“ einfügte. Oder ich benutze den falschen Relativsatz als „Mischmasch“ in der Sprache und hätte ein versöhnliches Ende. Als letztes fiele mir noch der Unterschied zwischen der Ablaut- und der Reduplikationsbildung, der fehlerhaften, ein, den ich nutzen könnte, um daraus ein Ende für den Text zu stricken.

Vielleicht erzähle ich aber lieber, was sich ereignete, als ich den Text nicht zu Ende schrieb: Ich beschloss ein letztes Bier aus dem Keller zu holen, ging am Fenster meines Nachbarn vorbei, dieser winkte und ich deutete mit der leeren Flasche den Nachschubweg an. Als ich aus dem Keller zurückkam, ging ich die paar Stufen zu seiner Eingangstür hinauf, klopfte und trat ein. Ein dickes Buch lag aufgeschlagen auf seinem Küchentisch. Mein Nachbar ist Altsprachler, und was mir das etymologische Wörterbuch ist, ist ihm sein Altgriechisch-Deutsches Wörterbuch. Er erzählte mir dann, dass das Verb „kacken“ griechischen Ursprungs sei, das habe er gerade eben durch Zufall nachgelesen.  Darauf stießen wir an und dann endeten der Abend und der Text nicht.

 

Den Klebezettel habe ich nun entfernt. Die griechische Wurzel von „kacken“ habe ich im Kluge bestätigt, und ob der alte Paracelsius nun die Dosis zum Gift erklärt oder das Wort „Mischmasch“ erfunden hat, ach, scheißdrauf!

 

Fundsachen (7)

abgeschaut2-steffen

So einleuchtend dieses Wort auf den ersten Blick daherkommen mag, es könnte doch vielfältige Erklärungsversuche des Wortes „Bevölkerungsdichte“ geben. Mir fiele dabei ja spontan der Alkoholkonsum pro Kopf pro Jahr ein, aber auch der Kollege Lo hat eine sehr kreative „Erklärung“