Nichts gefunden

Ein etymologischer Merksatz: Stemmen und stammen gehören nicht zusammen.

Aber beginnen wir ganz vorn: Meine Suche begann hier, als ich über einen Rechtschreibfehler stolperte. Die werte Kollegin hatte nämlich „stämmen“ geschrieben, meinte aber eindeutig stemmen. Weil ich mir selbst unsicher war, der erste Eindruck sozusagen ein Achtung! generierte, wollte ich das genauer wissen. Ich stemmte nicht wie früher mein Wörterbuch auf den Schreibtisch, sondern tippte bequem per Tastatur meine Vermutung ein, nämlich das Wort „stemmen“. Nur wenige Treffer später landete ich auf meiner bevorzugten Seite, dem DWDS. Dort kurz nachgeschlagen, dann bei Stamm nachgelesen und schon war mein Merksatz fertig,denn beide Wörter klingen zwar ähnlich und ähneln sich auch in ihren wechselseitigen Beugungen und Aussprachen, haben aber gänzlich unterschiedliche Wurzeln.

Aber dann passierte etwas Seltsames: Während meiner Suche hatte ich den Korpus gewechselt. Das bedeutet, dass meine ursprüngliche Suche zwar im „normalen“ Wörterbuch begann, aber fortgesetzt wurde im etymologischen Wörterbuch, einer Unterart des Wörterbuches, die sich ausschließlich der Wortherkunft, also der Abstammung widmet. Das passierte, weil ich einem Link in einem Text folgte. Der neue Korpus war exakt auf meine Suche zugeschnitten, ich musste dafür keine Seite wechseln, keinen Befehl geben, es passierte durch einen Klick mit der Maus. An dieser Stelle hätte ich sonst bereits ein weiteres Wörterbuch gestemmt, den Kluge, mein etymologisches Wörterbuch.

Um meiner Suche ein wenig mehr Gehalt zu verleihen, musste ich nun allerdings doch die Seite wechseln. Ich begab mich zur Wikipedia, damit ich dort erfahren konnte, woher denn dieses DWDS eigentlich kommt und wie das funktioniert. Beim Lesen des kurzen, informativen Artikels stieß ich auf das Konzept der semantischen Suche und war sofort begeistert: „Neben dem Nutzen als Synonymwörterbuch und Thesaurus kann man über diesen Informationstyp im WDG nicht mehr nur elektronisch blättern, sondern auch ’semantisch‘ navigieren. Beispielsweise kann man vom Stichwort Insekt direkt zu dessen Synonym Kerbtier springen, aber genauso zu allen untergeordneten Begriffen wie Ameise, Floh, Johanniskäfer oder Wasserläufer.“ So steht es dort geschrieben.

Das brachte mich auf allerhand Ideen. Wie wäre es, wenn es zu einer semantischen Suche auch noch eine Reimsuche gäbe, allerdings mit einem wohlklingenden Fachausdruck. Für Reim nach einem Fachausdruck zu suchen, erschien mir dann aber nicht zielführend, zumal mir bei meiner Suche allerhand vorgeschlagen wurde, was sich auf Fachausdruck reimen soll.

Doch wie verhält es sich wohl mit einer assoziativen Suche? Auf welche Begriffe käme man, wenn man assoziativ vom Begriff Insekt starten würde, wo würde man da landen? Auch diese Frage musste beantwortet werden, also suchte ich nach der assoziativen Suche und fand sie bei Stefan Ram. Wenn ich etwas über Insekten erfahren wollte, müsste ich bei der deskriptiven Suche nur das Wort Insekten eingeben und würde fündig werden. Nach Stefan Ram funktionieren Suchmaschinen aber eher nach der assoziativen Suche, das heißt, wenn ich etwas über Insekten wissen möchte, muss ich nach Begriffen suchen, die mit diesem Wort in Verbindung stehen, anstatt mit dem Begriff selbst. Letzteres kann zwar auch funktionieren, scheint aber noch immer nicht richtig ausgereift. Bei dem Wort Insekt hieße das, ich dürfte nicht nach Insekt suchen, sondern müsste eher nach Ameise, Floh, Johanniskäfer suchen, wenn ich etwas über Insekten erfahren wollte. Die assoziative Suche in Suchmaschinen entspricht also sozusagen dem Reziproken der semantischen Suche im Wörterbuch? Tja, ein Wörterbuch ist eben keine Suchmaschine.

An dieser Stelle habe ich meine Suche dann beendet, weil mir klar wurde, dass ich eigentlich nichts gefunden habe, bis auf den Rechtschreibfehler.

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6 Gedanken zu “Nichts gefunden

  1. das netz wächst ja noch und irgendwann wird auch funktionieren, was du dir vorstellst.
    derweil suchen (und finden!) wir wortabstammungen, was doch schon etwas ist angesichts der oft verheerenden rechtschreibfehler, die aus ebendieser unkenntnis resultieren. manchmal kann ich mich des eindrucks nicht erwehren, dass wir – trotz angeblich schlechterer bildung – früher doch irgendwie mehr gelernt haben. wer denn denkt heute noch über aus wortstämmen resultierende orthografie nach?
    übrigens stolperte ich eben beim googeln über die automatische anzeige „stemmen oder stämmen?“. vielleicht war das ein keks, den du hinterlassen hast? 😉

    Gefällt 1 Person

    1. Ich glaube bei so ähnlichen Schreibweisen kommt das öfter vor, dass das verwechselt wird, der Keks ist also nicht von mir;)
      Zu dem anderen Gedanken: das ist immer eine Frage des Umgangs und der eigenen Interessen. Da glaube ich tatsächlich an das Gute des Internets, dass dieser Ort vor allem für Spinner und Nerds eine tolle Erfindung war, da sie – mich eingeschlossen – endlich Gleichgesinnte treffen konnten.

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