baufräumen

wort-für-wort-steffen03Die heutige Wortvorstellung in der Rubrik „Wort für Wort“ beschäftigt sich mit einem sogenannten Kofferwort, auch Port(e)manteauwort genannt. Ein Kofferwort besteht aus mindestens zwei Wörtern, die sich auf morphologischer Ebene überlappen. Den Prozess der Entstehung eines solches Wortes nennt die Sprachwissenschaft Kontamination. Soweit so Sprachwissenschaft.

Verlassen wir doch einmal den sprachwissenschaftlichen Aspekt der Bildung und führen den Laien lieber in die lustige Welt der dabei entstehenden Wörter ein. Ein Musterbeispiel bieten hierbei allerdings nicht die ohne Zweifel herrlich schrägen Sprüche „You go me animally on my nerves“ oder  „My dear mister singing club“ und deren Übersetzung, sondern vielmehr der Begriff unter dem sich diese Form der englisch-deutschen Sprachverhunzung zusammenfassen lässt: nämlich unter dem Begriff Denglisch (ein Kofferwort aus Deutsch und Englisch).

Den englischen, bzw. mittlerweile auch im Französischen und Deutschen geläufigen Begriff des Port(e)manteau hat übrigens seinerzeit Lewis Carroll geprägt. Humpty Dumpty erklärt Alice in dem Buch „Alice hinter den Spiegeln“ das Gedicht des Jabberwocky, indem er angibt, dass in jedem der unbekannten Worte zwei Bedeutungen stecken: sie seien wie Koffer. Leider ist das in der Übersetzung des Gedichts – davon gibt es mehr als 15 bedeutende allein in die deutsche Sprache – nicht immer konsequent umgesetzt worden.

„Gardaustig war’s und glasse Wieben“

lautet zum Beispiel die erste Zeile der berühmten Übersetzung von Christian Enzensberger, und da stellt uns bereits das erste Wort vor eine schwierige Aufgabe. Für „glasse“ einen Koffer aus glatt und blass zu entwickeln ist simpel, „Wieben“ bietet sogar vielfältigste Möglichkeiten, aber „gardaustig“?

Gut, wir sind darin ja nicht sonderlich geübt und tatsächlich haben wir in bisher allen genannten Beispielen und Experimenten lediglich eine von vier (andere sprechen noch von weitaus mehr) möglichen Wortbildungen durch Kontamination ausgeschöpft. Das bisher hier vorgestellte Verfahren bedient sich der Haplogie, die fälschlicherweise noch immer unter dem Begriff der Haplologie firmiert. Dabei geht es um die sinnvolle Verkürzung von mehreren gleichlautenden Silben oder Phonemen zu nur noch einer. Noch ein simples Beispiel zur Verdeutlichung: Wir sagen der Zauber und der, der es ausführt ist der Zauberer; wir sagen aber nicht die Zaubererin, sondern Zauberin. Häufig geschieht das zur Vereinfachung der Aussprache. Warum nun ausgerechnet die Haplogie weiterhin unter diesem Phänomen zu leiden hat, ist wohl ein Treppenwitz der Sprachwissenschaft.

Wie dem auch sei. Kommen wir zum Kern unserer Betrachtungen: dem Kofferwort baufräumen. Dieses setzt sich zusammen aus den Wörtern bauen und aufräumen. Wenn sie jemals in den Genuss kommen Kinder zu haben oder womöglich schon losgeworden sind, weil sie jetzt eigene Wege gehen, kennen sie das vielleicht: die herumliegenden Bausteine im Kinderzimmer, auf denen man sich so herrlich die unbeschuhten Füße wehtun kann. Zum Aufräumen werden Sie die lieben Kleinen vielleicht nicht bewegen, aber vielleicht wäre es einen Versuch wert, sie zum baufräumen zu bewegen, indem Sie sie vor die Aufgabe stellen, alle herumliegenden Steine für ein Bauwerk zu nutzen. Kein zusätzlicher Stein darf aus den Kisten genommen werden, es zählt allein die Schönheit des Bauwerks. Probieren Sie es doch einmal aus.

4 Gedanken zu “baufräumen

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